VNWmagazin 1_2025
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Der Mensch inmitten von KI

Nachlese: So war die Fachtagung „Digitalisierung | Innovation“ von VNW und VDW

Von Anne Klesse

Hamburg. Künstliche Intelligenz sei die Jahrhundertchance, „die größte Veränderung zu unseren Lebzeiten, der unserer Kinder und Kindeskinder“, machte Unternehmer und KI-Experte Bilal Zafar gleich zu Beginn in seiner einführenden Keynote der Fachtagung „Digitalisierung | Innovation. Impulse für die Wohnungswirtschaft“ deutlich. KI sei kein Trend, der wieder vorbeiziehe und den man getrost ignorieren könne. Zafar: „Was früher Science-Fiction war, wird immer mehr Science-Fact.“ Und: „In fünf Jahren kann KI jede intellektuelle Aufgabe verstehen, die ein Mensch ausführen kann.“ 

Gleichzeitig zeigte eine spontane Schnellumfrage per Handzeichen: Nur ein Teil der Zuhörenden seiner Keynote nutzt KI bereits täglich. Spätestens da war klar: Unternehmen und ihre Mitarbeitenden müssen sich dringend stärker mit KI beschäftigen. 

Die mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweitägigen Digitalisierungstagung von VNW und VDW in Kooperation mit DigiWoh im „Emporio“ des Hamburger Scandic-Hotels bildeten sich denn auch in ganz unterschiedlichen Themen fort: So sprach Thomas Mrokon, Professor am Architekturinstitut der Hochschule Mainz, über digitale Disruptionen in der Bauwirtschaft. Die Einschätzung des Digitalisierungsgrads im eigenen Unternehmen variiere mitunter stark: Während sich in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers beispielsweise Bauunternehmer relativ gut aufgestellt sahen, bewerteten Planer die Fortschritte in der Digitalisierung als deutlich geringer. Administrative und Projekt-Prozesse scheinen der Studie zufolge digital ganz gut aufgestellt zu sein – bei operativen Prozessen gab es allerdings Raum für Verbesserungen. In Bezug auf den Einsatz digitaler Lösungen sahen sogar zwei Drittel der für die Studie Befragten konkreten Nachholbedarf. 

Digitale Technologien haben in der Baubranche also ein hohes Potenzial, auch wenn das Interesse an manchen Themen wie Simulation und Visualisierung nachgelassen habe, so Mrokon. Der Architekt und Professor für Entwerfen und Digitales Konstruieren skizzierte in seinem Vortrag Innovationsfelder der Branche, nannte spannende Zahlen und zeigte bereits gut funktionierende KI-Anwendungen: Während es laut Mrokon 2023 rund 240 KI-Werkzeuge in der Bauwirtschaft gegeben habe, würden es 2025 schon mehr als 1.500 sein.  

Daten seien der neue Rohstoff, so Mrokon. Es gehe um Automatisierung und Effizienz, um Agilität und Anpassungsfähigkeit statt um Tradition und Beständigkeit. Interne Bürokratie hemme aber oftmals die notwendige Transformation, auch fehle es Unternehmen oft an Innovations- und Fehlerkultur. Er sagte dennoch ein unaufhaltsames Wachstum von KI bevor. Gleichzeitig werde der Energiebedarf enorm wachsen. Und der Mensch? Wir entwickelten uns weg von der Arbeits- hin zur Kompetenzgesellschaft, Automatisierung und KI werden traditionelle Arbeitsweisen von Grund auf verändern, so Mrokon. 

In weiteren Vorträgen ging es um praktische Tipps zur eRechnung, die digitale Transformation in der Immobilienverwaltung, um Datenmodelle in der Bewirtschaftung, Energieeffizienz durch Digitalisierung und anderes. Während die Frühlingssonne die Aussicht vom 23. Stockwerk auf dem „Panoramadeck“ umso spektakulärer machte, nutzten die Teilnehmenden Pausen für Kommunikation und Vernetzung am Buffet. 

Was am Ende der zwei Tage voller Wissenstransfer, Inspiration und kommunikativen Austauschs deutlich wurde: Jeder Schritt in der Wertschöpfungskette kann – und sollte – auf sein KI- und Automatisierungspotenzial überprüft werden. Der Mensch aber bleibt Mensch, auch in einer Welt voller künstlicher Intelligenz. Unternehmen sollten also künftig noch stärker auf die ureigenen menschlichen Eigenschaften und Talente ihrer Mitarbeitenden setzen. Denn, so betonte Architektur-Professor Mrokon in seinem Vortrag: KI macht unsere eigenen sozialen und kreativen Kompetenzen umso wertvoller. 


Anne Klesse, Kommunikation Social Media beim VNW