Von der Mitte der 1970er bis zum Millennium
Auf künstlerische Gestaltung wurde immer viel Wert gelegt.
Gestalten statt verwalten – wider die Reglementierungsflut
Mitte der 1970er Jahre zeigte sich erneut der Hang zu einer zunehmenden Reglementierung mit spürbaren Folgen für die Wohnungswirtschaft. Angesichts der Vielzahl neuer Gesetze, Verordnungen und Richtlinien äußerte der VNW Zweifel, ob diese Vorgaben in der täglichen Praxis der Wohnungsunternehmen noch sachgerecht umgesetzt werden könnten. Das Haushaltsstrukturgesetz, Novellen des Bau- und Wohnungsrechts, Regelungen zur Energieeinsparung, zur Städtebauförderung sowie steuer- und datenschutzrechtliche Vorgaben ließen vor allem die Arbeitsbelastungen steigen, ohne die Leistungsfähigkeit des Wohnungsbaus nachhaltig zu stärken.
Der Verband reagierte darauf mit einer bewussten Stärkung der eigenen Organisation. Technische und betriebswirtschaftliche Prüfungen wurden enger verzahnt und entwickelten sich zunehmend zu einem integrierten Prüfungsansatz. Im Bereich der Aus- und Weiterbildung setzte der VNW neue Akzente, unter anderem mit dem erstmaligen Angebot des Fachs Datenverarbeitung an der Berufsschule Malente. Ergänzend unterstützte der Juniorenkreis junge Kaufleute während ihres Wehrdienstes mit fachlichen Informationen – ein Service, der positive Resonanz fand.
Parallel dazu pflegte der Verband internationale Kontakte, orientiert an der politischen Leitidee des Wandels durch Annäherung. Der fachliche, internationale Austausch mit Genossenschaftsvertretern vor allem aus Polen sowie Besuche zahlreicher Delegationen aus Israel, Österreich, Schweden, Ungarn, Japan und den USA machten das Wohnungswirtschaftliche Zentrum (WWZ) in der Tangstedter Landstraße 83 zu einem Ort des Dialogs über Systemgrenzen hinweg. Diese internationalen Kontakte stärkten nicht nur das fachliche Profil des VNW, sondern unterstrichen dessen Rolle als Brückenbauer in einer politisch geteilten Welt.
Pionierarbeit bei erneuerbaren Energien und EDV-Technik
Frühzeitig erkannte der VNW – nicht zuletzt durch Impulse aus der Praxis großer Mitgliedsunternehmen – das Potenzial moderner Datenverarbeitung, insbesondere im Rechnungswesen. Aufbauend auf den Erfahrungen der SAGA wurde die Rechenzentrum Nord für die Wohnungswirtschaft GmbH gegründet, an dem der VNW und die SAGA jeweils zur Hälfte beteiligt waren. Bereits Mitte der 1970er Jahre übernahm das Rechenzentrum für zahlreiche Mitgliedsunternehmen Aufgaben der Finanzbuchhaltung, der Miet- und Umlagenkalkulation, des Sparverkehrs und der Statistik. Im Zuge des Kooperationsvertrages mit der Deutschen Bau- und Bodenbank wurde das Dienstleistungsangebot im Jahr 1979 weiter professionalisiert; bis Mitte der 1980er Jahre betreute das Rechenzentrum mehrere hundert Unternehmen sowie Hunderttausende Wohnungen und entwickelte sich zu einem zentralen organisatorischen Rückgrat der norddeutschen Wohnungswirtschaft.
Zeitgleich gewannen Umwelt- und Energiefragen zunehmend an Bedeutung. Bereits früh wurden bei Modernisierungen vermehrt Isolierglasfenster eingesetzt, und die technische Abteilung des VNW integrierte Themen wie Wärmepumpenheizungen und Solarenergie in das Programm der wohnungswirtschaftlichen Fachtagungen. Allerdings waren umweltschonende Maßnahmen kostenintensiv und führten nicht selten zu Steigerungen der Mieten, oberhalb der Mieten neu errichteter Wohnungen. Um Fördermöglichkeiten für Energiesparmaßnahmen entspann sich daher ein politisches Tauziehen, das der Verband kritisch begleitete. Spätestens mit der zweiten Ölkrise 1979/80 und den stark steigenden Preisen für Heizöl, Kohle und Gas wurde deutlich, dass Energieeffizienz und Ressourcenschonung zu dauerhaften Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft werden würden. Der VNW reagierte darauf mit praxisnaher Beratung, Weiterbildungsangeboten und der Entwicklung tragfähiger Lösungen gemeinsam mit den zuständigen Landesbehörden.
Auch auf personeller Ebene wurden in dieser wichtigen Phase die Weichen gestellt: Zum 28. Februar 1977 übergab Karl-Wilhelm Maudantz den Verbandsvorsitz an Caesar Meister, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bergedorf-Bille eG. Maudantz hatte während seiner Amtszeit wichtige strukturelle Veränderungen angestoßen, unter anderem durch den Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit sowie in der Aus- und Weiterbildung im Verband. Mit Caesar Meister übernahm eine Persönlichkeit den Vorsitz, die aus eigener Erfahrung mit Wohnungsnot und Wiederaufbau vertraut war. Unter seiner Führung engagierte sich die Baugenossenschaft maßgeblich im Hamburger Wiederaufbau und im Siedlungsbau. Meister brachte zudem politische Expertise aus seiner Zeit als Senator und Leiter der Hamburger Baubehörde in die Verbandsarbeit ein und prägte den VNW in einer Phase tiefgreifender wohnungs- und gesellschaftspolitischer Veränderungen.
Verbandsarbeit: verantwortungsvoll – kompetent – nahbar
In der politisch und gesellschaftlich aufgeladenen zweiten Hälfte der 1970er Jahre, dem sogenannten „Deutschen Herbst“, und zu Beginn der 1980er Jahre verstand sich der VNW als verlässlicher Partner in einem immer komplexer werdenden Umfeld. Der Verband engagierte sich in länderübergreifenden Arbeitsgruppen mit Kommunen, Bauwirtschaft und Architektenverbänden mit dem Ziel, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Bürokratie abzubauen. Gleichzeitig nahm er eine verbraucher- wie unternehmenspolitische Vermittlerrolle ein, warnte private „Häuslebauer“ vor unseriösen Finanzierungsmodellen mit hundertprozentiger Fremdfinanzierung und empfahl solide Finanzierungsstrukturen mit angemessenem Eigenkapital.
Das fachliche Rückgrat dieser Arbeit bildeten die spezialisierten Abteilungen des Verbandes. Die Prüfabteilung entwickelte Instrumente wie eine zukunftsorientierte Verwaltungskosten-Deckungsrechnung, die viele Unternehmen im Controlling nutzten. Die Rechtsabteilung begleitete komplexe Unternehmensprozesse wie Liquidationen und Verschmelzungen, während die technische Abteilung bei Fragen zu Gasinstallationen, Fernwärmeanschlüssen, zur im Januar 1977 in Kraft getretenen Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) sowie zu Gemeinschaftsantennen umfassend beriet.
Die hohe Nachfrage nach Fortbildungsangeboten – etwa zur Vorbereitung auf die IHK-Prüfung zum Fachwirt der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft – unterstrich den wachsenden Professionalisierungsbedarf in der Branche. Auch Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen und Pressearbeit trugen dazu bei, die Leistungen der Wohnungswirtschaft sichtbar zu machen. Trotz wirtschaftlich angespannter Zeiten weiteten viele Mitgliedsunternehmen ihre Ausbildungsaktivitäten aus und setzten damit bewusst ein Zeichen für soziale Verantwortung und Fachkräftesicherung.
Klare Kante – zu Mieten, Bauland und Wohnungsbaupolitik
Kein Blatt vor den Mund nahmen die Verantwortlichen des VNW um Verbandsdirektor Dr. Joachim Teske, der 1978 in den Vorstand des GdW berufen wurde, auch bei schwierigen oder langfristig zu bearbeitenden Themenkomplexen. Dies betraf immer wieder auch die unaufhaltsam steigenden Baulandpreise – also das Fundament jeglichen Neubaus. Der Preis für Bauland hatte sich seit 1970 ausgehend von durchschnittlich knapp 31 DM pro Quadratmeter mehr als verdoppelt und lag Ende 1980 bereits bei rund 88 DM, in Ballungsgebieten dreimal so hoch oder noch höher. Auch bei technischen Neuerungen schauten die Experten des VNW genau hin. So wurde zwar die verbrauchsorientierte Heizkostenabrechnung obligatorisch. Aber bei der Einführung von Wärmemessgeräten für die Heizkostenabrechnung zeigte sich dann, dass die von externen Fachleuten prognostizierten Energieeinsparungen von 10 bis 15 Prozent sowie mögliche Kosteneinsparungen für die Mieter durch die Kosten der Wärmemesser, deren Ablesung und die Kostenverrechnung egalisiert wurden. Entschieden dagegen positionierte sich der VNW auch, als Teile der Christdemokraten die Beendigung des sozialen Wohnungsbaus und die Privatisierung des sozialen Mietwohnungsbestandes zur Diskussion stellten.
Parallel dazu gewann um 1980 die Diskussion um Mietgerechtigkeit an Bedeutung. Der Wohnungsmarkt war von einem Nebeneinander unterschiedlichster Mietformen geprägt – von Altbau-, Sozial- bis zu Vergleichs- und Marktmieten –, das vielfach als ungerecht empfunden wurde. Der VNW unterstützte daher frühzeitig die Einführung einheitlicher Mietspiegel und brachte seine fachliche Expertise in die Entwicklung hierfür geeigneter Datenerhebungsverfahren ein. 1977 gab es einen solchen Mietspiegel nur in Neumünster, in Städten wie Kiel, Lübeck oder Flensburg fehlte er noch. Der Verband scheute auch nicht die gesellschaftspolitische Debatte rund um private Prioritäten-Reihenfolgen – Auto, Urlaub, Wohnen – und wies zugleich darauf hin, dass kostendeckende Mieten eine Voraussetzung sind, damit Wohnungsunternehmen dauerhaft leistungsfähig bleiben. Als Orientierungsgröße nannte er eine monatliche Mietbelastung in der Höhe eines Wochenlohns.
Unter dem Diktat der leeren Kassen
An der Schwelle zu den 1980er Jahren konnte der VNW trotz zunehmender Restriktionen auf eine positive Bilanz verweisen. Der Standard neu errichteter Wohnungen hatte sich deutlich verbessert, zugleich entsprach ein erheblicher Teil des Bestandes jedoch nicht mehr zeitgemäßen Wohnbedürfnissen. Für junge Familien, Alleinstehende und ältere Menschen fehlte vielfach passender Wohnraum. Gleichzeitig wurde immer deutlicher, dass öffentliche Haushalte künftige Deckungslücken im sozialen Wohnungsbau nicht mehr vollständig ausgleichen konnten. Selbsthilfe und Eigenverantwortung rückten – auch aus Sicht des VNW – stärker in den Fokus.
Die rezessive wirtschaftliche Entwicklung Anfang der 1980er Jahre führte zu angespannten Haushaltslagen im Bund, in Ländern und Gemeinden. Das 1982 erzielte niedrigste Wohnungsbauergebnis seit 1950, der höchste Stand an Firmeninsolvenzen seit Bestehen der Bundesrepublik, eine katastrophale Beschäftigungslage plus dramatische Zahlen für Kurzarbeit und Jugendarbeitslosigkeit ließen erkennen, dass auch die öffentlichen Wohnungsbaumittel künftig in wesentlich geringerem Umfang fließen würden.
Alle im Bundestag vertretenen Parteien setzten die Zukunft der Wohnungsbaupolitik auf ihre Agenda, unter großer öffentlicher Resonanz. Wohnungspolitik, Mietrecht und Steuervergünstigungen im Wohnungsbau wurden zu Wahlkampfthemen und somit zu politischen Streitfragen. Infolge des ersten konstruktiven Misstrauensvotums in der Geschichte der Bundesrepublik kam es im Oktober 1982 zum Ende der sozialliberalen Ära und zum Regierungswechsel. Viele gesetzliche Anpassungen der Regierung Kohl wie die Mehrwertsteuererhöhung 1983 waren jedoch aus Sicht des VNW mit der heißen Nadel gestrickt. Der Verband kritisierte wiederholt die emotionalisierte Debattenkultur und mahnte eine sachliche Auseinandersetzung über Baulandpreise, Mietmodelle, Leerstände und Fehlbelegungsabgaben an. Auch der 1983 gescheiterte Versuch einer Volkszählung wurde vom Verband als Hemmnis für eine verlässliche wohnungswirtschaftliche Planung bewertet.





Zurück zu Hansens Wurzeln
Über den Tellerrand zu schauen, Brücken zu bauen und sich an internationalen Vorbildern zu orientieren, hatte seit Peter Christian Hansen Tradition beim VNW, der ihr auch in den 1980er Jahren folgte. Der Austausch mit dänischen und schwedischen Fachreferenten zu den Themen energiebewusstes Bauen sowie Schall- und Wärmeschutz wurde genauso kontinuierlich gepflegt wie die Verständigungsarbeit über den Eisernen Vorhang hinweg. Davon zeugen etwa die deutsch-polnischen Energiegespräche zur Vorbereitung der Konferenz des Internationalen Genossenschaftsbundes (IGB) in Helsinki 1981 oder zwei Jahre später die zehntägige Schulungsmaßnahme zum kostengünstigen Bauen für Mitglieder einer Delegation aus Polen, die im Auftrag der Vereinten Nationen die Bundesrepublik und Schweden bereiste. 1984 übernahm der VNW im Rahmen des in Hamburg stattfindenden Kongresses des Internationalen Genossenschaftsbundes die fachliche Betreuung internationaler Wohnungsgenossenschaftsvertreter. Zu diesem Anlass präsentierte er in einem Werbefilm Hamburger Wohnlösungen für Seniorinnen und Senioren, Großfamilien, Menschen mit Behinderung und ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Angesichts der immer weiter zurückgehenden öffentlichen Wohnungsbauförderung richteten die Mitgliedsunternehmen des VNW ihren Blick zudem auf die Verwirklichung eines gesunden Wohnumfeldes und kompensierten die nachlassende Bautätigkeit durch Modernisierungen, Sanierungen und Instandsetzungen. Daneben stand die Beseitigung der städtebaulichen Missstände in zahlreichen Großsiedlungen der 1950er und 1960er Jahre im Fokus, etwa durch den Bau von Kindergärten, Spiel- und Sportplätzen, Hobby-, Werk- und Gesellschaftsräumen, stets unter den Prämissen Qualität vor Quantität, des Umweltschutzes sowie der Stadtökologie, beispielsweise durch erste Konzepte von Gebäudebegrünung.
Administrativer Kabelsalat
Was heutzutage das Glasfasernetz ist, war in den frühen 1980er Jahren die Einführung des Breitbandkabelnetzes durch die Deutsche Bundespost – mit unmittelbaren Auswirkungen auch auf den VNW und seine Mitgliedsunternehmen, denn technischer Fortschritt bedeutete gleichzeitig die Klärung der Kostenverteilung und technischen Umsetzbarkeit. Als Anfang 1984 die ersten privaten Fernsehsender Sat 1 und RTL plus auf Sendung gingen, war die Rechtslage bei der sogenannten Verkabelung, also dem Breitbandkabelanschluss, jedoch gänzlich unbefriedigend. Hier hatte der Gesetzgeber zwar geregelt, wie mit den laufenden Gebühren zu verfahren war, die einmaligen Anschlusskosten und Kosten der Installation in den Wohnanlagen jedoch außer Acht gelassen. Zudem erwies sich Gebührenpolitik der Bundespost teilweise als undurchsichtig. Unklarheit herrschte auch darüber, ob die neue technische Ausstattung eine wohnwerterhöhende Maßnahme mit entsprechenden mietrechtlichen Konsequenzen war, weshalb zum Beispiel im sozialen Wohnungsbau solche Modernisierungsmaßnahmen stockten und über Jahre zu einem intensiven Beratungsfeld des VNW avancierten. Erst am Ende des Jahrzehntes gelang es dem Verband in Zusammenarbeit mit den Oberpostdirektionen Hamburg und Kiel, technische Fragen abschließend zu klären und die notwendige Rechtssicherheit zu schaffen.
Die dunkle Seite der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft
Als das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL im Februar 1982 unter Berufung auf interne Informationen eines Whistleblowers über massive Missstände bei der gewerkschaftseigenen Neuen Heimat berichtete, markierte dies einen Einschnitt in der Geschichte der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. Bei Europas damals größtem Wohnungsbaukonzern wurde ein System aus Korruption, Selbstbereicherung und Misswirtschaft offengelegt. Der Vorstand um den Vorsitzenden Albert Vietor hatte sich über Mieterhöhungen, geheime Konten und verschleierte Firmenbeteiligungen bereichert und dem Unternehmen einen Schaden von mehr als 100 Millionen DM zugefügt.
Der Skandal beschädigte nicht nur die Neue Heimat selbst, sondern auch die Führung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Zugleich wurde deutlich, dass der Konzern trotz eines Jahresumsatzes von über 6 Milliarden DM mit rund 6.000 Beschäftigten in mehr als hundert Tochtergesellschaften hoch verschuldet und faktisch zahlungsunfähig war.
Dabei hatte die Neue Heimat über Jahrzehnte eine prägende Rolle im Wohnungsbau eingenommen. Nach dem Wiederaufbau der Nachkriegsjahre erweiterte sie ab den 1960er Jahren ihr Tätigkeitsfeld erheblich und unterstützte Kommunen beim Ausbau ganzer Stadtteile. Die Ölkrisen der 1970er Jahre, steigende Baukosten, rückläufige öffentliche Fördermittel, soziale Probleme in Großsiedlungen und zunehmende Leerstände hätten jedoch eine grundlegende Neuausrichtung erfordert. Stattdessen verstrickte sich die Konzernführung zunehmend in defizitäre Auslandsgeschäfte.
Nach der Entlassung Albert Vietors und weiterer Vorstandsmitglieder stoppten die Banken einen umstrittenen Sanierungsplan. Das traditionsreiche Unternehmen, hervorgegangen aus der 1926 gegründeten Gemeinnützigen Kleinwohnungsbaugesellschaft Groß-Hamburg, wurde schließlich abgewickelt. Die Wohnungsbestände gingen in mehreren Tranchen an Bundesländer und private Unternehmen; in Hamburg und Schleswig-Holstein übernahm die neu gegründete Gesellschaft für Wohnen und Bauen (GWG) rund 55.000 Wohnungen.
Im Zuge der Aufarbeitung geriet auch der VNW als Prüfungs- und Aufsichtsinstitution in die öffentliche Kritik. Journalistische Medien warfen dem Verband vor, Prüfungsaufgaben nicht mit der gebotenen Konsequenz wahrgenommen zu haben. Der VNW wies diese Vorwürfe zurück, setzte jedoch fortan auf maximale Transparenz und eine aktive Informationspolitik.
Die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse der Hamburgischen Bürgerschaft und des Deutschen Bundestages formulierten dennoch Kritik an der Rolle von Prüfungsverbänden und empfahlen eine strengere Begrenzung von Unternehmensbeteiligungen. Der VNW setzte sich selbstkritisch mit den Ergebnissen der Ausschüsse auseinander, überprüfte seine Strukturen und leitete Reformen ein. Mithilfe externer Sachverständiger konnte er zugleich darlegen, dass seine Beteiligungen rechtlich zulässig und behördlich genehmigt gewesen waren.
Der Verband verwahrte sich zudem gegen pauschale Verurteilungen der gesamten gemeinnützigen Wohnungswirtschaft und beteiligte sich aktiv an der Diskussion um eine Reform des Wohnungsgemeinnützigkeitsrechts. Die intensive Aufarbeitung band erhebliche personelle Ressourcen, insbesondere in der Rechtsabteilung. Nach dem Tod von Dr. Joachim Teske im Jahr 1983 erfolgte im Mai 1984 eine organisatorische Neuordnung: Künftig wurde der VNW von zwei Vorstandsmitgliedern geführt, wobei Vorstandsdirektor Eduard Papert die Mitgliederinteressen und Wirtschaftsprüfer Dr. Luzian Sarkowski den Prüfungsdienst verantwortete. Die klare Trennung der Aufgabenbereiche wurde damit strukturell verankert.
In den folgenden Jahren trennte sich der Verband zudem von einzelnen Beteiligungen, unter anderem am Rechenzentrum Nord. Gleichwohl blieb festzuhalten, dass auch die parlamentarischen Untersuchungen nicht alle Fragen nach Verantwortung und Mitwissen von Kontrollgremien, Banken und der Politik abschließend klären konnten.
Wohnen als Menschenrecht – Verantwortung nicht wegschieben
Auch wenn sich die deutsche Wirtschaft Mitte des Jahrzehntes erholte, wenn die 135 Mitgliedsunternehmen des VNW Jahr für Jahr einen Milliardenbetrag investierten und die Zahl der unter Standard ausgestatteten Wohnungen durch die Modernisierungsaktivitäten weiter abnahm – im Norden wurden gerade in jener Zeit noch vorhandene, weder mit Bad, Dusche oder Sammelheizung ausgestattete, sehr preisgünstige Wohnungen vermehrt nachgefragt. Die Gründe hierfür waren vielfältig. Zum einen reichte das Wirtschaftswachstum nicht aus, um die hohe Zahl der Arbeitslosen nachhaltig zu verringern. Eines der Ziele staatlicher Wirtschaftspolitik, die Vollbeschäftigung, wurde weiterhin gravierend verfehlt. Gleichzeitig belastete in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre Schwarzarbeit die Baubranche, der Bund konzentrierte die Direktförderung im sozialen Wohnungsbau ausschließlich auf die Eigentumsförderung und auch die Bundesländer hatten die Förderung des sozialen Wohnungsbaus aus haushalts- oder ordnungspolitischen Gründen auf ein Minimum reduziert. Zwar propagierte die Regierung das Steuersenkungsprogramm für den Zeitraum 1986 bis 1988 als größtes Entlastungsvolumen in der Geschichte der Bundesrepublik –, aber beim Blick in ihre Lohn- bzw. Gehaltsabrechnung waren viele Steuerzahlerinnen und Steuerzahlen auch damals ernüchtert, denn ein erheblicher Teil der Entlastungen waren aufgrund höherer Sozialversicherungsbeiträge wieder zunichte gemacht.
Der VNW wurde angesichts dessen nicht müde, eine aktivere Beschäftigungspolitik einzufordern. Vor allem aber bildeten der VNW und seine Mitgliedsunternehmen einen großen Ausbildungsverbund und halfen, Arbeitsplätze zu erhalten, zu verbessern und neue zu schaffen. In diesem Zusammenhang betreute der VNW auch zunehmend Hochschulabsolventinnen und -absolventen, die sich im Rahmen von Diplomarbeiten beispielsweise mit Fragen der Aus- und Fortbildung, aber auch mit der Bemessung von Steuervorteilen gemeinnütziger Wohnungsunternehmen, des Wohnwertes oder der Finanzierung mit Aufwendungsdarlehen befassten.
Bauprofis auch in sensiblen Bereichen
Die Medien hatten über die Gefahren von Asbest berichtet – und so landete das sensible Thema 1987 auch bei den Spezialisten der technischen Abteilung des VNW, die sich intensiv damit auseinandersetzten. Zwar waren die im Wohnungsbau bis dahin verwendeten Asbestzementprodukte, in denen die Asbestfasern durch Zement fest gebunden und unter bestimmten Voraussetzungen noch durch Anstriche oder Beschichtungen geschützt waren, weniger bedenklich; trotzdem wurde die Problematik der Asbestprodukte eingehend mit dem Bauordnungsamt Hamburg erörtert und die Mitgliedsunternehmen über praktikable Lösungen informiert.
Eine etwas kompliziertere Materie war die Fassadenrenovierung von Gebäuden, die wie das WWZ in Fertigbetonbauweise hergestellt worden waren und aufgrund zunehmender Verschmutzungen und Korrosionsschäden dringend zu überholen waren. Die technische Abteilung informierte über Lösungsmöglichkeiten unter Verwendung des neuen Baustoffs Glasfaser-Beton und vermeldete 1987 noch ein echtes Highlight: Die Mitarbeit an der Neufassung des Normblattes DIN 4109 Schallschutz im Hochbau konnte nach mehr als zehnjähriger Bearbeitungsdauer abgeschlossen werden. Die Veröffentlichung erfolgte dann allerdings erst 1989. Kurzfristig erfolgreicher war 1987 die Zuarbeit zur neuen Hamburger Bauordnung, bei der zusammen mit den Hamburger Wasserwerken beim Thema Wassereinsparung durch Wohnungswasserzähler erfolgreich Verbesserungen eingebracht werden konnten.






Globale Umbrüche und das Ende der Wohnungsgemeinnützigkeit
Die 1980er Jahre waren von tiefgreifenden wirtschaftlichen und politischen Veränderungen geprägt. In den USA leitete Präsident Ronald Reagan ab 1981 einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel ein, der durch Steuersenkungen, Kürzungen sozialer Leistungen und steigende Rüstungsausgaben gekennzeichnet war. Nach einer Phase wirtschaftlicher Stagnation reagierten die Finanzmärkte zunächst positiv, doch der Aufschwung erwies sich als instabil. Internationale Spannungen über Zinspolitik, Handelsbilanzen und Wechselkurse untergruben das Vertrauen der Märkte und führten im Oktober 1987 zum ersten weltweiten Börsencrash nach dem Zweiten Weltkrieg. Der drastische Kursverlust des Dow Jones machte zugleich die Risiken des zunehmend computerbasierten Handels deutlich.
Parallel dazu setzte auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs unter Michail Gorbatschow mit Glasnost und Perestroika eine politische Entspannung ein. Die erleichterte Ausreise führte zu einer verstärkten Zuwanderung deutschstämmiger Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, deren angemessene Unterbringung zu einer zentralen wohnungs- und gesellschaftspolitischen Aufgabe wurde. Auch die Mitgliedsunternehmen des VNW stellten sich dieser Herausforderung, indem sie Dachgeschosse ausbauten, leerstehende Wohnungen zur Verfügung stellten, Fördermittel einwarben und neue sogenannte Aussiedlerwohnungen errichteten. Ermöglicht wurde dies auch dadurch, dass die Länder etwa ab 1988 rückläufige Bundesmittel aus eigener Kraft kompensieren konnten.
Trotz einer spürbaren wirtschaftlichen Stabilisierung blieb die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik hoch, sie lag Mitte des Jahrzehnts bei 9,3 Prozent. Existenzsorgen, die Zuwanderung und soziale Spannungen spiegelten sich in schwachen Wahlergebnissen der Volksparteien wider. In dieser Phase kam es auch zu personellen Veränderungen an der Spitze des VNW: Zum Jahreswechsel 1987/88 übernahm der Hamburger Wirtschaftsprüfer Jürgen Maus die Leitung des Prüfungsdienstes, zum 30. Juni 1988 schied Eduard Papert als Verbandsdirektor aus und übergab sein Amt an Günter Baack.
Vor diesem Hintergrund verschärfte sich die Debatte um die Zukunft des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes (WGG). Seit Beginn der 1980er Jahre bestand erheblicher Dissens zwischen der Politik und der Wohnungswirtschaft über die Rolle gemeinnütziger Unternehmen bei der Versorgung einkommensschwacher Haushalte. Kritiker warnten vor einer einseitigen Zuständigkeit für soziale Problemfälle und vor negativen Folgen der Fehlbelegungsabgabe für die sozialen Strukturen, insbesondere in Großsiedlungen. Der VNW richtete den Blick zugleich auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit seiner Mitgliedsunternehmen.
Früh sprach sich der Verband für eine Reform des WGG aus, um rechtliche Unsicherheiten zu beseitigen und das Recht an veränderte wirtschaftliche und wohnungspolitische Rahmenbedingungen anzupassen. Zentrale Anliegen waren die Ermöglichung kostendeckender Mieten, der Erhalt des steuerbefreiten Bauträgergeschäfts sowie die Wahrung unternehmerischer Entscheidungsfreiheit. Nach den Vorgängen um die Neue Heimat und den parlamentarischen Untersuchungen gewann die Reformdiskussion zusätzlich an Dynamik. Der VNW signalisierte – ebenso wie der Gesamtverband – die Bereitschaft, konstruktiv sowohl an einer Reform als auch an einer möglichen Aufhebung des Gesetzes mitzuwirken.
Nach langjährigen Beratungen wurde schließlich beschlossen, das Wohnungsgemeinnützigkeitsrecht im Rahmen des Steuerreformgesetzes zum 31. Dezember 1989 aufzuheben. Ungeachtet der Kritik am Zustandekommen dieses Beschlusses arbeiteten der VNW und die gemeinnützige Wohnungswirtschaft intensiv daran, den Übergang in die Steuerpflicht zum 1. Januar 1990 sachgerecht vorzubereiten. Mit Unterstützung der Finanz- und Steuerverwaltungen wurden grundlegende Fragen geklärt, etwa zur steuerlichen Anfangsbilanz, zu Vermietungsgenossenschaften und zum Bestandsschutz von Spareinrichtungen. Ergebnis dieses Prozesses waren verlässliche Verfahrensgrundsätze, die den Unternehmen frühzeitig Planungssicherheit boten.
Die Mehrheit der dem VNW angeschlossenen, ehemals gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaften entschied sich für den Status der steuerbefreiten Vermietungsgenossenschaft und nutzte das Jahr 1990 nahezu geschlossen als steuerfreies Übergangsjahr. Zugleich bekannten sich die Unternehmen – vielfach satzungsmäßig verankert – zu einer weiterhin sozial orientierten Unternehmenspolitik. Der VNW begleitete den Umstellungsprozess eng, bei der Anpassung von Satzungen und Gesellschaftsverträgen ebenso wie bei organisatorischen Neuausrichtungen. Auf einem außerordentlichen Verbandstag am 10. Juli 1989 beschloss der Verband im Vorgriff auf die Aufhebung des WGG die Neufassung seiner Satzung. Organe des Verbandes waren fortan der Verbandstag, der Verbandsausschuss und der Verbandsvorstand.
Von großer Freude und vorsichtigem Optimismus
Der politische Umbruch in Mittel- und Osteuropa und der Reformprozess in der DDR, der am 9. November 1989 seinen unerwarteten historischen Höhepunkt fand, veränderten auch die Rahmenbedingungen für den VNW grundlegend. Fragen der internen Neustrukturierung und der organisatorischen Neuaufstellung nach der Aufhebung des Wohnungsgemeinnützigkeitsrechts traten zunächst in den Hintergrund. Zugleich war allen Beteiligten rasch bewusst, dass die gesellschaftlichen Umwälzungen und eine mögliche Wiedervereinigung erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben und die Mitgliederstruktur des Verbandes nachhaltig verändern würden.
Nach anfänglicher Verunsicherung, insbesondere im Zusammenhang mit den Eckpunkten einer künftigen Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, überwog beim VNW jedoch ein vorsichtiger Optimismus. Pragmatisch stellten sich Verband und Mitgliedsunternehmen den neuen Herausforderungen und vertrauten sowohl auf die Stabilität der Währung als auch auf die eigene Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig verschärften steigende Zinsen, der starke Zuzug von Aus- und Übersiedlerinnen und -siedlern sowie teils extreme Mietsteigerungen in den Großstädten die wohnungswirtschaftliche Lage. Vor diesem Hintergrund formulierte der VNW früh das Ziel, gleichwertige Lebensverhältnisse und vergleichbare wohnungswirtschaftliche Strukturen in Ost und West zu schaffen.
Mit Blick auf die Wiedervereinigung forderte der Verband eine gesamtdeutsche Wohnungsbaupolitik, die Einführung sozialer Grundprinzipien der Wohnungsmarktwirtschaft und angemessener Mietpreise in der DDR. Zudem engagierte er sich für die rechtssichere Umwandlung der bisherigen VEB-Gebäudewirtschaftsbetriebe und kommunalen Wohnungsverwaltungen in Unternehmensformen wie Genossenschaften oder GmbHs sowie für die Stärkung des Genossenschaftswesens.
Durch frühzeitige und zunehmend intensive Kontakte zu Partnern in der DDR unterstützte der VNW den Aufbau eines leistungsfähigen Fach- und Prüfungsverbandes für wohnungswirtschaftliche Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gründung dieses Verbandes erfolgte im Mai 1990. Bereits zuvor leisteten der Prüfungsdienst und die technische Abteilung des VNW mit Informationsveranstaltungen praktische Aufbauhilfe. Mitgliedsunternehmen stellten Ausbildungs- und Praktikumsplätze zur Verfügung und förderten so den praxisnahen Wissenstransfer.
Bis zum Frühjahr 1990 entstanden auf diese Weise mehr als 30 betriebliche Partnerschaften; erste gemeinsame Seminare fanden in Rostock und Schwerin statt. Ungeachtet dieser dynamischen Entwicklung wurde auf dem ordentlichen Verbandstag am 21. Dezember 1989 satzungsgemäß ein auf zwölf Mitglieder reduzierter Verbandsausschuss für die Amtszeit ab dem 1. Januar 1990 gewählt.
Reunion nach vier Jahrzehnten – Existenzsicherung als Leitmotiv
Nach der formalen Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 traten rasch die erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Einheit zutage. Vor diesem Hintergrund wuchs der Wunsch, den VNW mit dem neu gegründeten Nachbarverband zu vereinen. Am 2. November 1990, dem Tag des 90-jährigen Bestehens des VNW, ratifizierten die Verbandsausschüsse beider Organisationen in Schwerin eine Vereinbarung zur Verschmelzung zum 1. Januar 1991. Der außerordentliche Verbandstag des VNW wählte am 19. Dezember 1990 einen auf 24 Mitglieder erweiterten Verbandsausschuss.
Im Zuge der Vereinigung kam es auch zu personellen Veränderungen. Zum 1. Juli 1991 übergab Jürgen Maus die Leitung des Prüfungsdienstes an den Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Jens Petersen, zum 1. August 1991 übernahm Uwe Blöcker aus Hamburg das Amt des Verbandsdirektors. Nach Zustimmung der Mitgliederversammlungen firmierte der vereinigte Verband als Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e. V. Hamburg – Mecklenburg-Vorpommern – Schleswig-Holstein. Sein Tätigkeitsgebiet erstreckte sich wieder – wie bereits bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges – auf die drei Bundesländer. Neben den Arbeitsgemeinschaften in Hamburg und Schleswig-Holstein wurden nun auch in Mecklenburg-Vorpommern regionale Arbeitsgemeinschaften eingerichtet; mit der neuen Geschäftsstelle in Schwerin war der VNW fortan in allen politischen Zentren Norddeutschlands vertreten.
Während sich das Jahr der Vereinigung wirtschaftlich noch als eines der erfolgreichsten der Nachkriegsgeschichte erwiesen hatte, zeigte sich bald, dass der Umfang und die Dauer des notwendigen Investitions- und Kapitalbedarfs nach vier Jahrzehnten sozialistischer Planwirtschaft deutlich unterschätzt worden waren. Im östlichen Verbandsgebiet unterschieden sich die Herausforderungen grundlegend von denen in den alten Bundesländern. Während dort vor allem Wohnungsknappheit herrschte, ging es in Mecklenburg-Vorpommern vielfach um die Existenzsicherung der Wohnungsunternehmen. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse, offene Altschulden, nicht kostendeckende Mieten sowie insbesondere der schlechte bauliche Zustand vieler Gebäude prägten die Lage. Die Sanierung hatte daher höchste Priorität: 1994 flossen im östlichen Verbandsgebiet mehr als 90 Prozent der Investitionen in Modernisierung und Instandhaltung. Dennoch war zu diesem Zeitpunkt erst rund ein Drittel des Wohnungsbestandes zumindest teilmodernisiert.
Support der Drei-Länder-Anstalt – Profilbildung im vereinten Verband
In den frühen 1990er Jahren war die wirtschaftliche Lage vieler kleiner und mittlerer Wohnungsgenossenschaften in Mecklenburg-Vorpommern angespannt. Hohe Jahresfehlbeträge, verursacht durch Zinsaufwendungen, Abschreibungen und Instandhaltungskosten, konnten vielfach nicht durch Mieteinnahmen oder Fördermittel ausgeglichen werden. Insbesondere die nach dem 30. Juni 1990 fertiggestellten sogenannten Wendewohnungen, die zu hohen Kosten vollständig fremdfinanziert worden waren, erwiesen sich als wirtschaftlich problematisch. Offene Altschulden und strittige Kreditverhältnisse führten bei zahlreichen Unternehmen zu Überschuldungsrisiken. In der Folge kam es zu Fusionen kleinerer Genossenschaften, zur Geschäftsbesorgung durch größere Unternehmen sowie zum Abbau überdimensionierter Regiebetriebe aus DDR-Zeiten.
Der VNW bot in dieser Phase seinen Mitgliedsunternehmen intensive Unterstützung. Schwerpunkte lagen in der Qualifizierung von Mitarbeitenden sowie im Aufbau verlässlicher betrieblicher Strukturen. Das Weiterbildungsangebot wurde deutlich ausgeweitet und umfasste Themen wie Vermietungspraxis, Mietrecht, Betriebskosten, Rechnungswesen, Steuern, Finanzierung, Baurecht, EDV-Anwendungen und betreutes Wohnen. Erstmals wurde 1992 in Zusammenarbeit mit einem Schweriner Ausbildungszentrum eine mehrteilige Blockweiterbildung für Hausmeister eingeführt, die mit einem verbandseigenen Zertifikat abschloss.
Mit Unterstützung des Verbandes legten die Wohnungsgenossenschaften in Mecklenburg-Vorpommern erstmals geprüfte Jahresabschlüsse vor. Grundlage bildeten durch den VNW geprüfte DM-Eröffnungsbilanzen. Die Umstellung auf handelsrechtliche Buchführung und Bilanzierung verlief daher überwiegend reibungslos. Parallel unterstützte der Verband den Aufbau regionaler Fachklassensysteme, sodass die Ausbildung wohnungswirtschaftlicher Fachkräfte zunehmend ortsnah erfolgen konnte. Ein weiterer Meilenstein war der Start des ersten Studienjahrgangs an der von den Mitgliedsunternehmen mitfinanzierten Führungsakademie der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Bochum-Springorum e. V. im Jahr 1994.
Ein zentrales Handlungsfeld blieb die wirtschaftliche Konsolidierung über kostendeckende Mieten. Trotz erheblicher Mietanpassungen Anfang der 1990er Jahre lagen die Warmmieten im neuen Verbandsgebiet weiterhin deutlich unter dem Westniveau. Erst mit gesetzlichen Weichenstellungen ab Mitte der 1990er Jahre, insbesondere durch das Altschuldenhilfe-Gesetz und das Wohnungsgenossenschafts-Vermögensgesetz, verbesserten sich die Rahmenbedingungen nachhaltig. Die Übertragung ehemals volkseigener Grundstücke an die Genossenschaften schuf erstmals die Voraussetzung für eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung. Auch die schrittweisen Mietanhebungen auf Grundlage der Grundmietenverordnung stabilisierten die Ertragslage spürbar.
Zur finanziellen Entlastung trug zudem ein umfangreiches Förderprogramm bei, das die Umstellung von Stadt- auf Erdgas unterstützte. Nach Abschluss dieser Maßnahmen Mitte der 1990er Jahre konnten sich die Wohnungsunternehmen neben der fortgesetzten Sanierung erstmals wieder neuen Bau- und Entwicklungsprojekten widmen, etwa im Rahmen der Konversion, beim Einbau von Aufzügen oder der Modernisierung von Wohnhochhäusern und Plattensiedlungen. Diese Aufgaben waren nicht zuletzt vor dem Hintergrund erheblicher sozialer Spannungen in einzelnen Regionen zu bewältigen, die eine nachhaltige Stabilisierung der Wohnquartiere erforderlich machten.
Gefestigter Verband und neue Wege der Kommunikation
Mitte der 1990er Jahre fand der VNW als Interessenvertreter der größten organisierten Anbietergruppe von Mietwohnungen im Norden in der Wohnungspolitik wie auch in der Öffentlichkeit zunehmend Beachtung. Auch in der Verwaltung wuchs die Aufmerksamkeit für seine Positionen. Die Verbandsarbeit orientierte sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung zunächst stark an den Bedürfnissen der neuen Mitglieder in Mecklenburg-Vorpommern – eine Schwerpunktsetzung, die von den Mitgliedern in Hamburg und Schleswig-Holstein ausdrücklich unterstützt wurde.
Gleichzeitig arbeiteten die regionalen Arbeitsgemeinschaften zunehmend eigenständig an spezifischen Fragestellungen. In Schleswig-Holstein begleiteten sie unter anderem die Entwicklung eines Frühwarnsystems zur Marktbeobachtung, setzten sich für neue Abrechnungsmodelle zwischen Mietern und Stadtwerken ein, unterstützten erste kommunale CO₂-Reduktionskonzepte und beteiligten sich an Initiativen zur Kriminalitätsprävention in Wohnquartieren.
In Hamburg zeigte sich besonderes soziales Engagement, etwa durch eine Rahmenvereinbarung zur Bereitstellung zusätzlicher Wohnungen für obdachlose Menschen sowie durch Förderprogramme zur Entsorgung asbestbelasteter Nachtspeichergeräte. Zugleich brachte sich die Arbeitsgemeinschaft aktiv in die stadtentwicklungspolitische Debatte ein und nahm frühzeitig Stellung zu den langfristigen Wachstumsprognosen der Hansestadt. Sie kritisierte scharf die Ausweitung der Fehlbelegungsabgabe auf 18 bislang verschonte Großwohnanlagen und warnte vor neuen sozialen Brennpunkten in einigen, seinerzeit ohnehin labilen Wohnquartieren.
Mit dem Wechsel an der Verbandsspitze zum 1. Januar 1996, als Dr. Joachim Wege das Amt des Verbandsdirektors von Uwe Blöcker übernahm, präsentierte sich der VNW als moderner Dienstleister. In einem breit angelegten Meinungsbildungsprozess entwickelte der Verband ein neues Leitbild, das seine künftigen Aufgaben definierte. Eine grafische und farbliche Überarbeitung des Logos unterstrich diesen Erneuerungsprozess. Begleitend wurden praxisorientierte Handbücher zu Themen wie betreutes Wohnen, Niedrigenergiehäuser oder Wohnumfeldgestaltung veröffentlicht. Regelmäßige Informationsdienste, eine tägliche Presseschau sowie themenspezifische Fachtagungen festigten die Kommunikationsstruktur des Verbandes.
Ein sichtbares Zeichen des Aufbruchs war der Schritt ins Internet. Seit März 1997 war der VNW unter der Domain www.vnw.de im World Wide Web präsent. Zunächst als Testlauf konzipiert, entwickelte sich die Website rasch zu einem zentralen Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Ab 1998 konnten sich Mitgliedsunternehmen mit ihren Wohnungsangeboten über die VNW-Website präsentieren. Damit erschloss der Verband nicht nur ein neues Kommunikationsmedium, sondern bereitete zugleich den Weg für eine stärkere digitale Vernetzung der Wohnungswirtschaft im Norden.











Der Beginn der HafenCity – ein städtebauliches Juwel
Bereits kurz nach Vorstellung der Studie zum städtebaulichen Ausbau des innerstädtischen Hafenrandgebietes im Oktober 1996 war der VNW zu zwei bürgerschaftlichen Anhörungen über eine neue HafenCity geladen. Dort, wo jahrzehntelang vor allem Hafen- und Verkehrsbetriebe ansässig waren, sollte in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein lebendiges innerstädtisches Viertel mit Wohnungen, Dienstleistungsunternehmen, Freizeit- und Unterhaltungsmöglichkeiten, Tourismusattraktionen und Einzelhandelsgeschäften entstehen. Gleich zu Beginn der Planungsphase schlossen sich VNW-Mitgliedsunternehmen in Arbeitsgemeinschaften zusammen und nahmen so ihre Interessen wirkungsvoll wahr, sich an dieser international bedeutsamen Wohnungsbebauung zu beteiligen – der Verband unterstützte sie dabei nach Kräften. In der Folgezeit schritten die Planungen zügig voran. Im Oktober 1999 wurde der Gewinner eines internationalen städtebaulichen Wettbewerbs gekürt, im Februar 2000 der Masterplan für die HafenCity vorgestellt, der in einem Strukturkonzept die zukünftige Nutzung und den städtebaulichen Rahmen innerhalb der verschiedenen Quartiere der HafenCity definierte. Zum Ende des Jahrzehntes wurden mit Abrissarbeiten die ersten sichtbaren Zeichen für das große Zukunftsprojekt gesetzt. Die Bebauung des ersten Quartiers mit Wohn- und Bürohäusern begann im Sommer 2003 am Sandtorkai/Dalmannkai – unter genossenschaftlicher Beteiligung.
Herausforderung: Währungs- und Millenniumwechsel
Bevor der Euro als neue europäische Gemeinschaftswährung zum 1. Januar 1999 als Buchgeld eingeführt wurde, waren die Auswirkungen teils leidenschaftlich diskutiert worden. Nicht wenige fürchteten die Aufweichung der Maastricht-Kriterien, den Abfluss großer Summen aus dem deutschen Kapitalmarkt, eine höhere Inflation und steigende Zinsen. Allerdings versachlichte sich die Debatte zusehends und der VNW wie auch die norddeutsche Wohnungswirtschaft begannen frühzeitig mit den Vorbereitungen.
Verträge aller Art, Rechnungen, Betriebsvereinbarungen und Gehälter mussten überprüft, der Zeitpunkt der Umstellung geklärt werden. Ebenso ging es zwecks Transparenz und Vergleichbarkeit um die einheitliche Darstellung der Zahlenwerke, wobei sich die meisten Unternehmen dafür entschieden, in der Übergangsphase Summen sowohl in Euro als auch in DM anzuzeigen. Die Fachabteilungen des VNW hatten hierfür extra ihre Hardware aufgerüstet und 18 Notebooks beschafft, deren Einsatz sich vor Ort bestens bewährte. Dies galt auch für das anstehende Problem des Datumswechsels und die Frage, ob die EDV die drei Nullen in der 2000 würde verarbeiten können. Dies war zwar in erster Linie eine Frage für Software-Spezialisten, aber bereits seit 1998 wurde im Rahmen der Jahresprüfung besonders darauf geachtet, die Unternehmensleitung, die IT und die Buchhaltung der Mitgliedsunternehmen entsprechend zu sensibilisieren und zu schulen. Die Verbandssoftware war bereits 2000er-fähig, als der VNW einen besonderen Support lieferte: eine CD-ROM mit einer Checkliste, um Probleme innerhalb der Bürokommunikation und bei technischen Geräten zu verhindern. Daneben hatte der VNW auch alle Versorgungsunternehmen im Verbandsgebiet kontaktiert, um deren Vorsorge und Verantwortung für die Versorgungssicherheit zum Jahrhundertwechsel abzufragen oder mögliche Risiken zu entschärfen.
Deutschland in der Globalisierungsfalle, der Norden mit Chancen
Der Nachwende-Boom war Mitte der 1990er Jahre beendet, die innerdeutsche Integration zeigte sich schwieriger als erwartet. Zum Jahreswechsel 1996/97 befand sich Deutschland in der schwersten Strukturkrise seit vier Jahrzehnten. Konjunktur und Beschäftigung hatten sich entkoppelt; im Februar 1997 erreichte die Arbeitslosigkeit mit 4,7 Millionen registrierten Arbeitslosen und weiteren 1,3 Millionen Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen einen historischen Höchststand. Insbesondere die Mitgliedsunternehmen des VNW in den neuen Bundesländern spürten die Folgen deutlich: Sinkende Mietzahlungsfähigkeit, hohe Leerstände, erheblicher Sanierungsbedarf und fortbestehende Altschulden schränkten ihre Handlungsspielräume ein.
Die aus dem Altschuldenhilfegesetz resultierenden Privatisierungsverpflichtungen erwiesen sich für zahlreiche Wohnungsunternehmen als existenzbedrohend. Viele blieben auf nicht vermietbaren Beständen sitzen, für deren Altschulden ab 1993 Zinsen und Tilgungen zu leisten waren. Erst ab 1998, nach Erfüllung der Privatisierungsquoten und mit Zugang der Schlussbescheide, herrschte wieder Planungssicherheit.
Parallel verschärften sich die sozialen Herausforderungen. Wirtschaftliche Probleme vieler Mieterhaushalte schlugen sich in zunehmenden Mietkonflikten, Verstößen gegen Hausordnungen und Vandalismusschäden nieder. Damit wuchs auch die Bedeutung sozialer Kompetenz in der mietrechtlichen Beratung.
Angesichts politischen Stillstandes und wachsender gesellschaftlicher Spannungen erarbeitete der VNW gemeinsam mit dem GdW das Strategiepapier Bündnis für Wohnen, Arbeit und sozialen Frieden in Deutschland als Angebot an die Politik und die Gesellschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Mit der Bundestagswahl im September 1998 endete die Ära Kohl; SPD und Bündnis 90/Die Grünen übernahmen die Regierungsverantwortung.
Der VNW konzentrierte sich zugleich auf konkretes Handeln in seinem unmittelbaren Wirkungsbereich. Zu seinen zentralen Forderungen zählten eine regionale Wirtschaftsförderung von unten, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, Beschäftigungsinitiativen für Jugendliche und Langzeitarbeitslose, Entlastungen bei Lohnnebenkosten und eine Reform der Steuer- und Sozialpolitik.
Trotz aller Schwierigkeiten sah der VNW erhebliche Zukunftschancen für den Norden. Die Metropolregion Hamburg, die Küstenräume und die Mecklenburger Seenplatte verfügten über großes Entwicklungspotenzial. Die Bauwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern wirkte weiterhin als Konjunkturmotor, und Mitgliedsunternehmen realisierten gemeinsam mit Kommunen Projekte unter Nutzung von EU-Fördermitteln. Altstadtsanierungen, die Restrukturierung von Plattensiedlungen sowie innovative Neubau- und Umweltkonzepte zeigten, dass sich ökologische, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit langfristig behaupteten.
Auch wohnungspolitisch gab es positive Impulse. Reformvorschläge zur Mietrechtsvereinfachung, kommunale Initiativen zur sozialen Durchmischung sowie Quartiermanagementansätze stärkten die Stabilität der Wohnquartiere. Ergänzend unterstützte der Verband Unternehmen bei der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen. Ein besonderer wirtschaftlicher Erfolg war die erste VNW-Stromausschreibung nach der Liberalisierung des Energiemarktes, wodurch die Kosten für Allgemeinstrom um rund 30 Prozent sanken. Insgesamt zeigte sich aus Sicht des VNW: Trotz aller Krisen pulsierte der Norden. Und seit 1990 war im Verbandswesen und im Wohnungsbestand in dieser Form Einmaliges und Unwiederholbares geschaffen worden.
