Bürokratie at its best
Wer heutzutage ein Hochhaus bauen will, braucht Nerven wie Stahlseile, Ausdauer wie ein Langstreckenläufer und vor allem grenzenlosen Optimismus.
Das erste nach der Wende in der DDR gebaute Hochhaus.
Rostock. Es ist ein Schmuckstück, das neue Hochhaus, das da direkt am Brecht Park in Rostock-Evershagen entstanden ist. Strahlend weiß leuchtet es in der Septembersonne. Es sei das erste nach der Wende in der DDR gebaute Hochhaus, sagt Roland Blank, Vorstand der WG Schiffahrt Hafen Rostock eG, nicht ohne Stolz.
Während in den ersten Septembertagen im unmittelbaren Umfeld des Gebäudes noch reges Bauarbeitertreiben herrscht, ziehen die ersten Mieterinnen und Mieter ein. Der Fahrstuhl ist im Inneren rundum mit Schutzpappen und Schutzfolie beklebt. „Erfahrungswerte“, sagt WGSH-Sprecher Matthias Leutzow.
54 Wohnungen, 3 Gewerbeeinheiten und 2 Wohngruppen sind in dem elfstöckigen Wohngebäude entstanden. Die Netto-Kaltmieten reichen von 7,40 Euro bis 11,30 Euro pro Quadratmeter. Im Erdgeschoss hat der Bäcker schon geöffnet. Er liegt direkt am Schulweg zum nahen Schulcampus aus Gesamtschule und Gymnasium. „Das wird eine Goldgrube“, ist Matthias Leutzow sich sicher.
Im Gebäude sind noch Bauarbeiter unterwegs. In einer Wohnung der oberen Etage, von der man einen vorzüglichen Blick über Rostock-Evershagen hat, werden gerade gläserne Balkonbrüstungen angebracht. „Morgen sollen die Mieter kommen“, brummt ein Bauarbeiter. Er klingt gestresst.
Der Blick von hier oben erlaubt eine gute Übersicht über das Bauprojekt der WGSH am Brecht Park. Auf dem Dach der Parkpalette mit 87 Parkplätzen ist sind die Solarzellen gut zu erkennen. Auch wenn der Bedarf noch nicht groß ist: es gibt reichlich Ladeanschlüsse für Elektroautos.
Die 69 Wohnungen der Riegelbebauung zur viel befahrenen Bertold-Brecht-Straße sind seit 2020 vermietet. Öffentlich geförderter Wohnungsbau mit Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen. Die Netto-Kaltmiete für die Wohnungen fängt bei 6,60 Euro an.
Noch nicht ganz fertig - mit der Fertigstellung wird Anfang kommenden Jahres gerechnet - sind die beiden etwas zurück gesetzt liegenden Wohnhäuser. Die insgesamt 32 Wohnungen sind mit Größen zwischen 77 und 114 Quadratmetern deutlich größer - und frei finanziert.
Insgesamt seien hier am Brecht Park 175 Wohnungen geschaffen worden, sagt Roland Blank. Sozial- und frei finanzierte Wohnungen nh beieinander garantieren ein durchmischtes Quartier. Die öffentliche Förderung garantiert langfristig bezahlbare Mieten.
Hinzu kommt ein Mieterstrom-Photovoltaik-Modell, das regenerativ erzeugte Energie zu bezahlbaren Preisen liefert.
Also alles bestens? Roland Blank lächelt und zögert mit einer Antwort. „Sagen wir mal so: der Bau des Hochhauses war eine spezielle Herausforderung und wir haben viel gelernt.”
Worin die Herausforderungen bestanden und welche Erfahrungen das Team um Roland Blank sammelt und ob er noch einmal so ein Projekt starten würde - darüber berichtet der WGSH-Vorstand im Videointerview.
