
Wärmewende im Bestand: Nicht jedes Gebäude braucht dieselbe Lösung
Wie FASTR in Henstedt-Ulzburg einen heterogenen Gebäudebestand Schritt für Schritt dekarbonisiert
Bestandsgebäude unterscheiden sich oft hinsichtlich Alter, Nutzung und energetischem Zustand. Bei der Dekarbonisierung großer Immobilienbestände stehen die Verantwortlichen daher schnell vor der zentralen Frage nach der passenden Lösung. Denn auch Wärmebedarf, vorhandene Anlagentechnik und technische Rahmenbedingungen variieren erheblich. Die Antwort ist ebenso einfach, wie unbefriedigend: Die eine Technologie für alle Gebäude gibt es nicht.
Gefragt ist in solchen Fällen vielmehr eine langfristige Strategie, die Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit zusammenbringt. Wie eine solche in der Praxis aussehen kann, zeigt FASTR in Henstedt-Ulzburg. Gemeinsam mit der Gemeinde modernisiert das Unternehmen dort schrittweise die Wärmeversorgung eines Portfolios aus [XX] Gebäuden. Dazu gehören unter anderem Kindertagesstätten, Gemeinschaftsunterkünfte, Schulen, Sporthallen und das Rathaus.

Vom Einzelgebäude zum CO₂-Fahrplan
Bei dieser Vielfalt an Gebäuden geht es nicht darum, eine Technologie für alle Gebäude zu finden. Vielmehr braucht es eine Lösung, die entlang der verschiedenen Voraussetzungen sinnvoll ist. Entsprechend kommen in Henstedt-Ulzburg unterschiedliche Versorgungskonzepte zum Einsatz.
Ein Schwerpunkt liegt aktuell auf der Umstellung von drei Kindertagesstätten und zwei Gemeinschaftsunterkünften auf Gas-Wärmepumpen-Hybridheizungen. Bei mehreren dieser Objekte werden Spitzenlastkessel mit Luft/Wasser-Wärmepumpen kombiniert, an anderen Standorten setzt FASTR auf Spitzenlastkesseln und Blockheizkraftwerken. Auch Biomethan kommt zum Einsatz, außerdem wird eine bestehende Solarthermieanlage in das Versorgungskonzept integriert. All diese Maßnahmen sind Teil eines umfangreicheren Sanierungskonzepts. Das Prinzip dahinter: Nicht die Technologie bestimmt die Lösung – sondern das Gebäude.
Hybrid statt „One size fits all“
Um den unterschiedlichen Vorgaben und Anforderungen zu entsprechen, muss jedes Gebäude individuell betrachtet werden. Wo beispielsweise eine rein auf Wärmepumpen basierende Versorgung unter den konkreten Bedingungen wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, werden hybride Systeme umgesetzt. Die Wärmepumpe übernimmt dabei einen wesentlichen Teil der Wärmeversorgung, während ein Gaskessel insbesondere Spitzenlasten abdeckt. So werden etwa die Kindertagesstätten am Wöddel und in der Kranichstraße entgegen der ursprünglichen Planung nicht ausschließlich mit Wärmepumpen versorgt: Nach Prüfung der tatsächlichen Gegebenheiten wurde das Konzept um Spitzenlastkessel ergänzt. Auch bei mehreren Gemeinschaftsunterkünften entstehen entsprechende Hybridlösungen. Damit zeigt das Projekt zugleich, was Dekarbonisierung im Bestand in der Praxis bedeutet: Ein belastbarer Transformationspfad muss anpassungsfähig bleiben. Technische Konzepte müssen sich an den tatsächlichen Gegebenheiten orientieren und wirtschaftlich tragfähig sein.
Von rund 624 auf circa 65 Tonnen CO₂ pro Jahr
Welche Wirkung die einzelnen Maßnahmen zusammen entfalten, macht ein für das Portfolio entwickelter CO₂-Fahrplan sichtbar. Für das Jahr 2023 weisen die betrachteten Liegenschaften jährliche CO₂-Emissionen von insgesamt rund 624 Tonnen aus. Mit der schrittweisen Modernisierung der Energieversorgung sollen diese erheblich sinken. Der aktuelle Fahrplan weist für das Jahr 2027 rund 241 Tonnen CO₂ und für das Jahr 2033 rund 65 Tonnen CO₂ aus – und somit eine Reduktion von 90 Prozent. *
Die Zahlen machen zugleich deutlich, dass die Transformation eines Bestands ein mehrjähriger Prozess ist. Das Beispiel Henstedt-Ulzburg steht exemplarisch für den Ansatz, für jede Liegenschaft einen technisch und wirtschaftlich sinnvollen Weg zu definieren und die einzelnen Maßnahmen in eine übergeordnete Strategie einzubetten.
Dekarbonisierung endet nicht mit dem Heizungstausch
Neben der eingesetzten Technologie kommt es auf den effizienten Betrieb der Anlagen an. Denn auch eine moderne Heizungsanlage kann ihr Potenzial nur dann ausschöpfen, wenn sie dauerhaft optimal betrieben wird. Mit digitalen Lösungen entwickelt FASTR diesen Ansatz deshalb weiter.
Die Wärmewende braucht einen Plan – und Spielraum
Henstedt-Ulzburg macht deutlich, dass die Dekarbonisierung heterogener Immobilienbestände nicht mit einer einzelnen Technologie beginnt. Am Anfang stehen ein realistischer Blick auf jedes Gebäude und ein langfristiger Plan für das gesamte Portfolio. Wärmepumpe, Hybridanlage, BHKW oder Biomethan können dabei unterschiedliche Bausteine desselben Transformationspfads sein. Entscheidend ist, dass aus Einzelmaßnahmen ein Gesamtkonzept entsteht, das CO₂-Reduktion, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit zusammenführt.
