„Bezahlbares Wohnen bleibt möglich, wenn Rahmenbedingungen stimmen“

2025 war das Internationale Jahr der Genossenschaften. Der VNW wurde vor 125 Jahren als Interessen- und Prüfungsverband der Wohnungsbaugenossenschaften gegründet, die älteste Wohnungsbaugenossenschaft Hamburgs – die Schiffszimmerer-Genossenschaft – feierte jüngst ihr 150-jähriges Bestehen. Über die Bedeutung der Genossenschaftsidee und ihr Wirken in die Gesellschaft spricht Stadtentwicklungs-Senatorin Karen Pein.

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Welche Bedeutung haben die Wohnungsbaugenossenschaften für die Hansestadt Hamburg heute?

Hamburgs Wohnungsbaugenossenschaften sind neben der städtischen SAGA zentrale Akteure für bezahlbaren Wohnraum: Jede siebte Wohnung, darunter jede dritte Sozialwohnung, gehört ihnen. Sie sichern bezahlbaren Wohnraum und stärken den sozialen Zusammenhalt in den Quartieren. Das breite Spektrum an Genossenschaften – von großen Traditionsgenossenschaften bis zu Kleingenossenschaften und genossenschaftlichen Baugemeinschaften – ist ein großer Schatz für unsere Stadt. 2024 lag die durchschnittliche Nettokaltmiete im geförderten Genossenschaftsbestand bei 7,11 Euro/m², für ungebundene Wohnungen bei 7,83 Euro/m².

„Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele" ist das Motto, für das die knapp 240.000 Genossenschaftsmitglieder der Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften stehen. Inwiefern kann das Vorbild auch für andere Bereiche der Gesellschaft sein - und braucht es mehr solchen organisierten Zusammenhalt in diesen Zeiten?

Mit ihrem nicht gewinnorientierten Prinzip des sozialen und nachhaltigen Wohnens spielen Genossenschaften eine wichtige Rolle. Sie fördern Gemeinschaft, verhindern soziale Isolation und bieten barrierefreies Wohnen, sodass Menschen länger in ihrem Quartier bleiben können. Deshalb wünsche ich mir mehr solcher genossenschaftlicher Projekte. Zwar sind kleine Genossenschaften nicht die alleinige Antwort, können aber – gerade in neuen Quartieren – engagierte Gemeinschaften bilden, die auch in die Nachbarschaft wirken.

Um Herausforderungen wie hohe Baukosten und Grundstückspreise aufzufangen, bietet unser Förderprogramm für kleingenossenschaftliche Baugemeinschaften eine passgenaue Unterstützung. Zudem vergeben wir einige städtische Grundstücke nur an Baugemeinschaften. Kleingenossenschaftliche Baugemeinschaften brauchen oft individuelle Unterstützung. Daher prüfen wir, ob sich die Stadt an der Gründung einer Dachgenossenschaft beteiligen könnte, die solche Projekte gezielt unterstützt. Hier gibt es noch offene Fragen, u.a. im Hinblick auf Zielgruppen, Art der Unterstützung (einmalig oder dauerhaft). Ziel ist ein ergänzender Baustein für besondere gemeinschaftliche Projekte, nicht eine Konkurrenz zu bestehenden Genossenschaften.

Inwiefern setzen Sie sich für den sozialen Wohnungsbau, für den die Genossenschaften stehen, ein?

Unseren bisherigen Erfolg – über 100.000 Wohnungen seit 2011 – wollen wir auch bei schwieriger Marktlage fortsetzen. Deshalb haben wir die Wohnraumförderung ausgeweitet: 2025/26 stehen rund 1,8 Milliarden Euro für jährlich mindestens 3.000 geförderte Neubauwohnungen in drei Förderwegen bereit. Wir haben die Programmzahlen zudem auf etwa 15.000 Modernisierungen und 1.300 Sozialbindungen im Bestand gesteigert.

Bei den Baukosten haben wir ebenfalls einen entscheidenden Schritt gemacht: Mit dem Hamburg-Standard im Rahmen der „Initiative kostenreduziertes Bauen“ machen wir Bauen günstiger und schneller. Pilotprojekte, auch von Genossenschaften, zeigen, dass bezahlbares Wohnen möglich bleibt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Was wünschen Sie den Genossenschaften (und sich?) für die Zukunft?

Ich würde mich freuen, wenn die Baugenossenschaften weiterhin ihr Engagement für neuen Wohnraum entschlossen fortführen – trotz der großen Herausforderungen (Sanierung älterer Bestände, Austausch von Heizungsanlagen, Einbau von Wärmepumpen etc.). Sie schaffen Wohnraum, fördern Gemeinschaft, stabilisieren den Mietenspiegel und setzen wichtige Impulse im Neubau. Es ist gut, dass wir die Genossenschaften beim „Bündnis für das Wohnen“ an Bord haben, und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

Das Interview mit Karen Pein führte Anne Klesse.